2006: Ralph Giordano

Seit über 60 Jahren tritt der Schriftsteller und Journalist, der aus Hamburg stammt und in Köln lebt, ebenso unerschrocken wie unermüdlich für Menschenwürde und gegen Gewaltherrschaft ein. 1923 geboren, erfuhr der Zehnjährige am Hamburger Gymnasium Johanneum, was das hieß, als die Schüler in „Arier“ und „Nicht- Arier“ eingeteilt wurden. Mit 16 musste er die Schule verlassen. Während seine jüdische Mutter ermordet wurde, überlebte er, wenn auch unter grausamen Umständen. Giordano blieb in Deutschland; er hätte sich sonst, wie er einmal sagte, gegenüber den toten Opfern als „Deserteur“ gefühlt. Und er begann sofort mit der Arbeit. Zahllose Publikationen – vom weltberühmten Roman „Die Bertinis“ über aufrüttelnde Fernseh-Dokumentationen bis zu Sach- und Reisebüchern haben das öffentliche Bewusstsein nicht nur in Deutschland verändert. Sein fundiertes Werk „Die Zweite Schuld“, in dem Giordano die deutsche „Verdränger-Gesellschaft“ anprangert, gehört ebenso dazu wie die differenzierte Darstellung des israelisch- palästinensischen Konflikts in „Israel, ums Himmels willen Israel.“ Als Glücksfall für Deutschland und be- sonders für Köln bezeichnete Wilhelm in seiner Laudatio auf den ersten Giesberts-Lewin-Preisträger, dass Giordano diesem Land treu geblieben sei, weil es ihn und seinen leidenschaftlichen Kampf für Frieden und Gerechtigkeit brauche.

Ralph Giordano