Umgang mit der AfD in den Medien

Offener Brief an Tom Buhrow, Intendant des WDR

Sehr geehrter Herr Buhrow,

bei der letzten Talkshow—Sendung „hart aber fair“, saßen Norbert Röttgen und Jürgen Trittin vereint in einer Talkshow – ein Zusammenschluss, den man eher selten zu sehen bekommt. Jedoch schien der Auftritt des AfD-Spitzenkandidats, Alexander Gauland, bei der Diskussionsrunde einen solchen dringend zu erfordern. So wurde das eigentliche Thema der Stunde nur am Rande geschweift und die Sendung stattdessen von Gauland als Bühne genutzt, um seine Unschuld und Opferposition in der derzeitigen Debatte um seine rassistischen „Entgleisungen“ zu beteuern. Und diese sind mal wieder knallhart: Bei einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in Thüringen wünschte sich Gauland die „Entsorgung“ der lntegrationsbeauftragten Aydan Özoğuz (SPD) in Anatolien und bezeichnet den Zuzug von Asylsuchenden als „schleichende Landnahme“. Es ist immer dasselbe Spiel: rassistischer Tabubruch, eine folgende Unschuldsbeteuerung mit Opferinszenierung, um zu einem späteren Zeitpunkt in ähnlicher Manier seinen Rassismus ausleben zu können. Auch in Zeiten des Wahlkampfes gibt es klare Grenzen, die die AfD immer wieder systematisch überschreitet: Seien es Gaulands jüngste „Entsorgungsphantasien“, Höckes „Denkmal der Schande“ oder Petrys Begnadigung des „Völkischen“ – Rassismus und Antisemitismus gehören bei der AfD ins Alltagsgeschäft. Eine Partei, die mit dem Wahlplakat „Neue Deutsche? Machen wir selber“ wirbt, hat das demokratische Spektrum längst verlassen und gehört mit ihren hetzerischen Parolen nicht mehr an den Verhandlungstisch.

Denn zu einer Demokratie gehört nicht nur Meinungspluralismus, sondern auch ein Minderheitenschutz, der eine der wichtigsten Lehren aus den Gräueltaten des Nationalsozialismus darstellen sollte.

Gerade die öffentlich-rechtlichen Medien sollten hierfür eine Sensibilität an den Tag legen, die bei der Sendung „hart aber fair“ schmerzlich vermisst wurde. So fordern wir, die Kölnische Gesellschaft, Sie lieber Tom Buhrow als Stellvertreter der öffentlich-rechtlichen Medien auf, rassistischer und antisemitischer Propaganda nicht immer wieder eine Bühne zu bieten!

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Jürgen Wilhelm