Zur geplanten Ausstellung der „Klagemauer“ im Stadtmuseum

Zur Frage, ob das Stadtmuseum Teile der „Klagemauer“ aufnehmen soll, erklärt der Vorsitzende der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammen-arbeit, Prof. Dr. Jürgen Wilhelm:

Die Debatte erstaunt und erschreckt zugleich. Zur Erinnerung sei darauf verwie-sen, dass es das jahrelange Bemühen von Stadtverwaltung, Domkapitel, der Köl-nischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und vieler anderer war, die abstoßenden und zum Teil ekelhaften Fotos und die bewusst antisemiti-schen Texte,die auf der  sogenannten Klagemauer zu sehen waren, von dort zu verweisen. Dies misslang nicht zuletzt wegen einer umstrittenen Auffassung der Kölner Staatsanwaltschaft.
Der feindseligen aggressiven Hetze der selbsternannten Klagemauer  nun museale Weihen  in steuerfinanzierten Museen zu geben, wäre eine dramatische Fehlbeur-teilung des „Sammel-und Bewahrungsauftrages“ von Museen. Von Kölner Mu-seen braucht beileibe nicht alles gesammelt zu werden, was irgendwann einmal irgendwo von irgendwem in dieser Stadt unternommen wurde. Auch wenn die mediale Resonanz bekanntlich für Außenseiter stets größer ist als für die Mehrheitsmeinung, wird sie damit noch lange nicht „beeinflussend“.
Hierzu bedarf es auch keiner erneuten Diskussion. Diese könnte von einigen zu einer nachträglichen Verharmlosung oder gar Nobilitierung  im Sinne der Meinungsfreiheit missbraucht werden. Es geht aber nicht um Meinungsfreiheit; es geht um die Frage, ob in Deutschland, dem Täterland der Judenvernichtung, im öffentlichen Raum oder gar in Museen skandalöse und menschenverachtende Pro-paganda mit eindeutig gewolltem antisemitischem Inhalt ausgestellt werden soll.Sollte man allerdings dennoch ein Museum in Erwägung ziehen, schlage ich das „EL-De-Haus“ vor; dort wären einige Tafeln in bester Gesellschaft.