Hier können Sie den aktuellen Newsletter für April 2022 lesen.

Liebe Mitglieder und Interessierte,

international beschäftigt uns aktuell der Krieg in der Ukraine, dessen Grausamkeiten Ihnen aus den Medien gut bekannt sein dürften, aber auch die weniger bekannte Lage in Israel. Dort töteten kürzlich innerhalb von zwei Wochen Angreifer im Rahmen von vier Anschlägen insgesamt 14 Menschen. Mindestens zwei der Anschläge wurden von Anhängern des sogenannten Islamischen Staates (IS) begangen, in einem Fall gab es auch ein entsprechendes Bekennerschreiben. Zu befürchten ist, dass der IS, der mit anderen islamistischen Organisationen teilweise konkurriert und die palästinensischen Gebiete längst zur Rekrutierung neuer Kämpfer nutzt, in der unmittelbaren Nachbarschaft Israels sowie in Israel selbst stärker Fuß fassen könnte. Angesichts seines mörderischen Antisemitismus wächst die Gefahr für jüdische Israelis und alle anderen, die von Anschlägen auf diese betroffen sein können.

Auch in Deutschland sehen sich Jüdinnen und Juden immer wieder Bedrohungen und (schweren) Gewalttaten ausgesetzt, teilweise durch organisierte Gruppen. Gegen einige dieser Gruppierungen ist die Polizei kürzlich im Rahmen bundesweiter Hausdurchsuchungen vorgegangen. Dabei wurden auch mehrere Haftbefehle vollstreckt. Die mehr als 50 Beschuldigten gehören mutmaßlich verschiedenen militanten und bewaffneten Neonazistrukturen an, darunter der deutsche Ableger der international agierenden sogenannten „Atomwaffen Division“, die sich offen auf den Nationalsozialismus bezieht und Anschläge gegen missliebige Gruppen und Einzelpersonen propagiert und teilweise bereits durchgeführt hat. Der deutsche Ableger legt seinen selbst erklärten Schwerpunkt auf „Gewalt und Töten sowie auf Propaganda, die zu solcher Gewalt und solchem Töten führt.” Aufgerufen wird zum „Bürger-“ bzw. „Rassenkrieg“. In den letzten Jahren haben zahlreiche Politikerinnen und Politiker Morddrohungen durch die Gruppe erhalten. Auch in Köln tauchten Flugblätter der Gruppe in der Keupstraße auf, wo im Jahr 2004 der NSU einen Nagelbombenanschlag verübte. Dabei zeigten die Flugblätter einen Vermummten, der einen betenden Muslim enthauptet. In einem Schreiben behauptete die Gruppe, Muslime seien „das willfährige Werkzeug der Juden, um Deutschland und Europa zu zerstören.“ Wieder einmal wird deutlich, welchen zentralen Stellenwert der Antisemitismus für die extreme Rechte hat: Er dient als ideologische Klammer, die auch andere Ideologien wie Rassismus und Antifeminismus zusammenhält und legitimieren soll.

Dabei ist zu beachten, dass es sich bei solchen neonazistischen Netzwerken zwar um relativ kleine, aber ausgesprochen gefährliche Gruppen handelt und dass Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus keineswegs nur bei Ihnen, sondern auch in der Gesamtgesellschaft vorkommen, selbst wenn natürlich in abgeminderter und insofern nur bedingt vergleichbarer Form. Es liegt an uns zu tun, was keine polizeiliche Maßnahme bewirken kann: nämlich durch kontinuierliche Aufklärungsarbeit dem Rechtsextremismus bestmöglich die gesellschaftliche Basis zu entziehen.

Daher freuen wir uns, dass unsere Veranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit dieses Jahr wieder vor Ort stattfinden kann. Wir konnten den renommierten Historiker Prof. Dr. Peter Longerich für einen Vortrag zum Thema Antisemitismus. Eine deutsche Geschichte gewinnen. Stattfinden wird der Vortrag, zu dem Sie in diesem Newsletter alle weiteren Informationen erhalten, am 17. Mai um 18 Uhr in der Kartäuserkirche. Zwei Tage zuvor, am 15. Mai um 15 Uhr präsentieren wir in einem besonderen Konzert anlässlich des Festjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland Stücke jüdischer Komponisten des 19. Jahrhunderts, die heute nur noch selten zu hören sind. Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie haben ein spannendes Programm für Sie zusammengestellt.

Und schließlich möchten wir unsere Mitglieder ganz herzlich zu unserer diesjährigen Mitgliederversammlung einladen. Diese findet am 8. Juni um 19 Uhr im Haus der Kirche statt, in welchem wir seit Juni 2020 mit der Geschäftsstelle vertreten sind. Wir würden uns sehr freuen, Sie zahlreich bei uns begrüßen zu dürfen.