Online-Veranstaltung: Die Auslöschung des „Anderen“

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Online-Veranstaltung: Die Auslöschung des „Anderen“

13. April, 19:00

Die Auslöschung des „Anderen“. Bindungstheoretische Überlegungen zur Erziehung im Nationalsozialismus und ihrer transgenerationalen Weitergabe

Vortrag und Diskussion mit Dr. Claus Koch

Am 13. April 2021
Ab 19:00 Uhr

Der Vortrag begründet aus bindungstheoretischer Sicht, dass die an das autoritäre Erziehungsideal der Kaiserzeit anknüpfenden Erziehungsmaximen des Nationalsozialismus zum Ziel hatten, der Auslöschung des „Anderen“ und seiner planmäßigen Vernichtung eine erzieherisch-pädagogische Grundlage zu verschaffen. Um dieses Programm durchzusetzen, wurden besonders die Mütter aufgefordert, das natürliche Bindungsbedürfnis ihrer Kinder zu brechen, um sie auf diese Weise ihres Empathievermögens zu berauben. Stattdessen galt es, die den Kindern verwehrten Gefühle für den „Anderen“ mit der politischen Agenda der Nationalsozialisten zu verknüpfen und sie entsprechend zu instrumentalisieren. Ausformuliert und durch ihre Schriften einem Millionenpublikum bekannt gemacht wurde diese Erziehungsstrategie von der Ärztin und überzeugten Nationalsozialistin Johanna Haarer.
In den 1950er und 1960er Jahren folgten viele Eltern der ihnen solcherart eingeschriebenen bindungsfeindlichen Erziehungshaltung. Die damit verbundenen Defizite gaben sie an die Generation ihrer Kinder weiter, die später versuchten, sich von diesen Erziehungsgrundsätzen zu befreien. Noch heute finden sich Spuren der gegen das emphatische Subjekt gerichteten bindungs- und kinderfeindlichen Vorstellungen in auflagenstarken Publikationen, die sich gegen angeblich übertriebene Zuneigung und übertriebenen Respekt dem Kind gegenüber in Stellung bringen.

Zur Person: Claus Koch, Dr. phil., Dipl. Psych., leitet seit 2015 zusammen mit Udo Baer das „Pädagogische Institut Berlin“ (PIB). Jahrelange wissenschaftliche Tätigkeit mit dem Schwerpunkt Bindungstheorie und Entwicklungspsychologie des Kindes, u.a. mit einem Lehrauftrag an der Universität Bielefeld. Zahlreiche Buchveröffentlichungen und Artikel in Fachzeitschriften.Die Veranstaltung wird über den YouTube-Kanal der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gestreamt.

Die Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe “Lange Schatten? Erziehung im und nach dem Nationalsozialismus”. Sie wird vom Projekt “Rote Karte gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus” der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Kooperation mit dem Graduiertenkolleg “Rechtspopulismus. Autoritäre Entwicklungen, extrem-rechte Diskurse und demokratische Resonanzens” sowie dem Studierenden-Ausschuss der Vollversammlung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln (StAVV) organisiert.

Hier können Sie den vollständigen Flyer zur Veranstaltungsreihe als PDF herunterladen.

Details

Datum:
13. April
Zeit:
19:00