Marina Chernivsky präsentiert Bruchzeiten (S. Fischer), eine eindringliche literarische Reflexion über jüdische Erinnerung und Gegenwart. Sie zeigt, wie der 7. Oktober 2023 einen tiefen Bruch offenlegt, den soziale Kälte und Antisemitismus weiter vertiefen.
Autobiografische Erfahrungen verweben sich mit präzisen gesellschaftlichen Beobachtungen zu einem bewegenden Porträt einer Welt, die in Fragmente zerfallen ist und nur aus ihren Bruchstellen heraus verstanden werden kann. Es moderiert Ina Rottscheidt.
Das jüdische Leben ist geprägt, aber nicht bestimmt von der Gewaltgeschichte. Das jüdische Leben ist bestimmt von der Wehrhaftigkeit, von der ungeheuren Kraft des Überlebens. Dieses Buch ist ein Versuch, eine Sprache zu finden für das Unaussprechliche. Ein jedes Wort nur ein Fragment, ein Splitter. Nichts davon ist abgeschlossen, nichts davon vollendet. Alles, was ich beschreibe, dauert noch an.
Nicht nur der 7. Oktober ist Anlass für Marina Chernivskys Schreiben, sondern besonders seine anhaltenden Auswirkungen und Herausforderungen für die Gegenwart. Bruchzeiten vereint biographische Elemente, politische Analyse und literarische Sprache. Es protokolliert essayistisch einen kollektiven Schock und ein Gefühl der Bedrohung auf der einen Seite, schweigende Passivität, Verdrängung und Distanz auf der anderen. Radikal und mahnend wird Geschichte vergegenwärtigt. Mit Schärfe schreibt die Psychologin in Erinnerungsfragmenten gegen die Ohnmacht an. Es geht darum zu begreifen, wie wir uns zwischen Zugehörigkeit, Solidarität und fehlender Empathie als Gemeinschaft verstehen und wie der einzelne Mensch in etwas Größeres passt. Ein Buch »über die Gräben und Gefühlslagen, über die Kontinuität des Antisemitismus, über kollektive Traumata und Erinnerungen« (Augsburger Allgemeine).
Am 28.01.26
Um 19:30 Uhr
Ort Literaturhaus Köln, Großer Griechenmarkt 39, 50676 Köln
Eintritt: 12,- / 10,- € | Mitglieder des Literaturhauses: 8,- €
Veranstaltungspartner: Literaturhaus Köln e.V.